Kurban-Bayram

Wir schlafen lange.
Am Morgen kommen
aus der Moschee
andere Gebete
als sonst.
Aber nur,
weil Freitag ist.
Freitag
betet man anders.
Irgendwann
weckt uns
Tayfuns Mutter.
Wir sollen
das Fleisch
aus dem Wagen holen.
Zwei große
Plastiktüten,
wir verlieren ein paar
Stücke.
Dann geht es los,
durch Hänge voll Tee,
bis zum Grab
von Umuts Vater,
Tayfuns Onkel,
gestorben bei einem Autounfall.
Auf den Gräbern:
arabische Schrift.
Wie umständlich
sie da hochklettern,
die Gräber sind über einen Meter hoch,
warum ist das so?
Tayfun zeigt mir die Moschee im Dorf,
außen das Leben Mohammeds als Zeitstrahl,
innen schlechte Luft,
hier müssen heute viele Menschen gewesen sein.
Einfach und aus Holz,
und wie immer eine Uhr.

Die Nachbarin von Tayfuns Großmutter,
bei der Nachbarin zu wenig
gesagt ist.
Denn sie wohnen schon
sehr lange
nebeneinander.
Eine alte Frau,
aber wach!
Das Haus der Großmutter,
hundert Jahre alt und aus Holz,
mit Tee im Garten
und einem Blick
über das ganze Tal.
Sie ist hier im Sommer,
auf dem Dachboden
spielte früher Tayfun.
Grandma gibt mir Tee,
ich rieche daran.
Riecht gar nicht.
Das nächste Haus,
Tante Eins,
mit einem alten
Ofen in der Küche.
Ich treffe Umut,
der mich interessiert anschaut.
Ich frage ihn,
ob er später auch mal
in die Uni will.
Er weiß noch nicht,
lächelt verlegen.
Tayfun klärt ich auf:
In der Türkei weiß man das nicht so früh,
so viele Prüfungen bis dahin!
Aber ob er wohl Träume hat?
Zwei Kusinen kommen,
Umuts Schwestern.
Umut erzählt mir,
dass er Gitarre spielt
und singt.
Ich hätte ihn gerne
einmal gehört.
Ich sitze in einer Ecke,
der Mann der Tante,
der einzige, der
das ganze Jahr hier wohnt.
Bringt den am Morgen geschlachteten Bock,
gebraten über dem Grill.
Er betet gerade,
als wir ankommen,
die Tante stellte schnell
einen Hocker vor ihn,
bevor wir vorbeigingen.
Ich staune über die einfache Lösung,
im Garten das Fell des Bocks.
Jetzt sitze ich in der Ecke,
ich soll rauchen.
Als ich gerade eine Zigarette bekomme,
geht es schon weiter.
Ich verstecke sie,
vor dem religiösen Onkel.
Wir gehen zu Fuß,
Tayfun, ich, Umut und die zwei Kusinen.
Wir treffen eine dritte,
gerade verheiratet.
Es gibt Tee,
die letzte Kusine
trägt Kopftuch,
weil die Familie ihres Mannes
konservativer ist.
Ich sitze mit Umut hinter dem Ofen.
Er testet mich,
ob ich alle Namen der Anwesenden weiß.
Ich teste ihn
mit meiner Familie:
Er ist gut!
Weiter zu anderen Nachbarn,
ein alter Mann spricht deutsch,
war arbeiten bei Volkan.
Aber zu hart,
deswegen zurück,
aber gutes Geld.
Wir nehmen
Bock und Fell,
entsorgen das Fell
an einer Mülltonne
außerhalb des Dorfes,
der Deckel bleibt offen.