Die gläserne Universität

Ich dachte ja eigentlich, dass wir in Bremen schon ein unglaubliches Privileg haben als Geisteswissenschaftler in einem so modernen Gebäude wie dem SFG studieren zu dürfen. Aber seit ich hier in LJ weile bin ich von diesem Fortschrittsglauben nicht mehr ganz so überzeugt.
Täglich frisch glänzender grauer Marmorboden erwartet einen schreitet man durch den pompös wirkenden Eingang der FDV (Fakulteta za druzbene vede/ Faculty of Social Sciences).

Ein ca. 15 Meter breiter Flur, eine perfekt englisch sprechende Rezeption (!) und Bänke zum Sitzen krönen den Eingang des gläsernen Gebäudes. Anders als in Bremen (ich denke an die Glashalle) setzt sich diese gläserne "Freundlichkeit" im ganzen Gebäude fort. Insgesamt 20 Räume im Erdgeschoß sind zum Flur hin verglast, so dass man in jeden Raum hinein- und aus jedem Raum hinausschauen kann. Auf diesem Glas befinden sich Strichcodes mit Zahlen, wahrscheinlich anlehnend an Strichcodes von Verpackungen. War da ein kritischer Architekt am Werk?

Ein zentraler Hörsaal ist im Zentrum einer Runde von Räumen platziert, so dass ansatzweise das Gefühl einer Einheit entsteht. Von diesem Zirkel geht eine nach außen verglaste Wendeltreppe ab, die hinauf zur Bibliothek führt. In der Bibliothek hat man online Zugriff auf alle 36 Bibliotheken der Stadt, die insgesamt übrigens 40 - 50.000 Studenten beheimatet. Außerdem gibt es eine E-Library in der man "wichtige" Werke wie Darwin oder Hobbes online lesen kann.
Die andere Richtung der Wendeltreppe geht zu den drei Cafés und einem Copyshop, in dem man seine Sachen kopiert bekommt anstatt selber Hand anzulegen. In den Cafés läuft MTV oder Popmusik in einer Lautstärke, die ich nach Seminaren eher anstrengend finde. Der privaten Hand, der das alles unterliegt wird von Seiten der Universität durch den Verkauf von Essenscoupons entgegengewirkt, als Student kann man damit in 160 Restaurants der Stadt essen.
Jegliche größere Interpretation meiner genannten Eindrücke behalte ich mir zunächst vor.

Liebe Grüße
Felix