Ordnung muss sein!
Mein kleines lila Damenfahrrad mit der originellen Aufschrift "Mountain-Bike" erweist mir tolle Dienste. Waghalsige Touren im einzigen funktionierenden Gang und mit schnarrenden Schutzblechen erforderten schon meine höchste Aufmerksamkeit und des Rades Durchhaltevermögen. Aufmerksamkeit schenkten uns gewisse staatliche Behördenbeauftragte jedoch gar nicht als wir des nachts ohne Licht und Schatten von chaotischen Erasmustreffen heimkamen. Vor ein paar Tagen habe ich es mal herausgefordert und bin extra auf der falschen Straßenseite am Seitenfenster eines Polizeiwagens vorbei gefahren: Keine Reaktion!
Überhaupt stelle ich mehr und mehr fest, dass der Umgang mit Ordnung in Slowenien irgendwo zwischen deutsch-österreichischer Genauigkeit und mediterraner Gelassenheit zu schweben scheint. Die Abgabe des Learning-Agreements, diesem wundervollen Schikanepapier der Institution Erasmus, wurde vom hiesigen International Office penibel genau angefordert. Letztendlich jedoch war es kein Problem als ich dann doch einen Tag später kam. Man hatte mich sogar vergessen.
Ähnliche unbegründete Panik bekam ich beim Besuch der ersten Univeranstaltungen, wo die slowenischen Studenten einen derartigen Ehrgeiz und ein Organisationsgeschick an den Tag legten, dass mir die Sicht auf ein gelassenes Studieren zunächst verschlossen blieb. Selbige Studenten sind es jedoch auch, die immer wieder für einen unglaublichen Lärm im Hörsaal sorgen, wenn sie sich teilweise über die Reihen hinweg unterhalten. Auch muss ich mich erstmal dran gewöhnen, dass man sich nicht zu melden braucht, sondern einfach sagt was man denkt. Das Irre daran: Das funktioniert alles trotzdem!!!