Weg mit dem Weihnachtsmann!!!

Folgendes fand ich beim Recherchieren auf der Seite der Bremischen Bürgerschaft. Ein Auszug aus dem Jahresbericht 2005 des Petitionsausschusses:
"Erwähnenswert erscheint eine Petition, in der sich der Petent für eine Abschaffung des Weihnachtsmannes zu Gunsten der Herausstellung des Nikolaus einsetzt. Er hält den Weihnachtsmann in Wahrheit für eine Mogelpackung ohne besondere geschichtliche Bedeutung und sieht ihn als kirmesgleiche Attraktion allgegenwärtig in der Vorweihnachtszeit. Dabei geht die Petition davon aus, dass ein ca. 100jähriger Brauch, der inzwischen fest im kulturellen Leben verankert ist, per Dekret außer Kraft gesetzt und aus dem privaten Leben der Bevölkerung „entfernt" werden kann und dass mit dieser Abschaffung der heilige Nikolaus als einzig „wahrer" Weihnachtsmann wieder in seine Rechte eingesetzt wird. Dieses Begehren ist nach Auffassung des Petitionsausschusses schlechterdings unumsetzbar. Die Geschichte des beklagten Weihnachtsmann umfasst hinsichtlich der Erscheinungsform der Figur zwar in der Tat erst 100 Jahre, seine Wurzeln liegen aber viel tiefer in der Historie europäischer Kulturgeschichte vergraben. Eigentlich kommt der „Weihnachtsmann" aus der Türkei - Kulturmix schon bei der Geburt. Der „historische" Nikolaus war um 270 Bischof im türkischen Myra. Die Verehrung dieses mildtätigen, Wunder wirkenden Heiligen breitete sich über Russland bis Skandinavien aus und vermischte sich dort mit heidnischen Mythen. Seit dem späten 17. Jahrhundert taucht als Begleiter des heiligen Nikolaus am Vorabend des 6. Dezember der Knecht Ruprecht auf, als pelzvermummte Gestalt im weihnachtlichen Brauchtum, die den Kindern mit Rute, Kette und Sack erscheint. Im Gegensatz zu Nikolaus, dem Gabenspender, ist Knecht Ruprecht ursprünglich eine Schreckgestalt. Später vom Nikolaus getrennt mutierte Knecht Ruprecht schließlich zu einem selbständigen Geschenkbringer, der den Kindern am Nikolausabend (5. Dezember), Nikolaustag (6. Dezember) oder am Heiligabend als Weihnachtsmann oder als Begleiter des Christkindes seine Gaben beschert. Auf dem Land hat sich die Übernahme dieser Bräuche um 1900 eingebürgert. Sein heutiges Aussehen verdankt der Weihnachtsmann der Firma Coca-Cola. Haddon Sundblom zeichnete 1931 den Entwurf eines Coca-Cola trinkenden, pausbäckigen, durchaus liebenswürdigen Weihnachtsmannes in Rot-Weiss. Mittlerweile ist er die unbestrittene Hauptfigur der weihnachtlichen Kinderbescherung. Die Rolle des gemeinsamen Nenners vieler Kulturen und Religionen war es, die den Weihnachtsmann in Amerika und in Europa so erfolgreich gemacht hat. Immerhin sollen ja Katholiken, Protestanten und evangelikale Gruppen, Gläubige, Nichtgläubige und Unentschlossene, ja sogar Andersgläubige zu Weihnachten Geschenke machen. Insofern ist der Weihnachtsmann tatsächlich eine Symbolfigur des weihnachtlichen Schenkens, ebenso wie Weihnachtsmärkte aus gewöhnlichen Wochenmärkten zu Kirchenfesten hervorgegangen sind. Allein aus der komplizierten, sich immer wieder überlagernden Kulturgeschichte der weihnachtlichen Bräuche ist ersichtlich, dass es eine „Abschaffung" des Weihnachtsmannes per Regierungsverordnung nicht geben kann."