Über die Schwerelosigkeit (Freihand)

Das Begriffspaar leicht und schwer finden wir an vielen Stellen, wo Konflikte zwischen verschiedenen Systemen auftauchen. Leicht sind die Journalisten, schwer ist das Studium des Journalismus. Journalisten werten die reinen Theoretiker ab, weil sie zu schwer sind. Dem reinen Praktiker fehlt aus Sicht der Theoretiker die Ethik. Ähnliches zwischen Ethnologen und Mythologen. Die Ethnologie möchte sich von Methoden von Theorien vorerst befreien um einen unverfälschten Blick zu bekommen. Dann erst nach der Feldforschung, nach der Initiation, ist es ihnen erlaubt auch theoretisch zu reden. Der Mythologe, jedenfalls nach Barthes 1957, ist dazu verurteilt ein rein theoretisches Miteinander zu leben. Er muss also die Schwere leben.
Was heißt Schwere überhaupt. Schauen wir uns zunächst einmal nur die Wortbedeutung an. Schwer kann rein physisch sein, schwer kann aber auch eine Aufgabe sein, schwer kann man sich fühlen, schwer ist aller anfang. Schwer schafft Mühen, schwer wird mit Schwerem belohnt.
Was bedeutet es leicht zu sein? Leicht bedeutet pragmatisch zu sein, Dinge nicht zu ernst zu nehmen, zur Ironie zu stehen und sich nicht unterkriegen zu lassen.
Leichtes kann aber auch abheben, Schweres kann sich selbst blockieren und träge bis unbeweglich werden.
Wie wäre es denn mal mit Schwerelosigkeit?
Schwerelos wäre alsdann der Mittelweg. Etwas schwebend leichtes, doch nicht zum Abheben bedrohtes. Schwerelos wäre eine Methapher, die alsdann hochgelobt würde. Ein Weltraumbegriff, der soziale Umstande zum Ausdruck bringen will kann doch eigentlich nur auf großes kulturelles Bewusstsein stoßen.
Doch Moment. Schwerelosigkeit ist etwas hoch kultiviertes. Schwerelos ist kaum machbar, wenn man sich nicht weiß richtig zu verhalten. Alsdann würde sich der Kreis schließen und es würde klar, dass Schwerelosigkeit nur dem Himmel entgegengehen kann und damit doch wieder zu leicht für den Theoretiker wäre.