Der weiße Tiger (und Julia Timoschenko)

Lasziv lächelt sie da
neben dem Jüngling,
dem weißen Tiger:
Наша Дочка (Unsere Tochter),
wie sie Ludmilla tauft.
Sie ist die Hoffnung
der alten Jungen,
Richtung Europa orientiert,
während er, der Andere,
einen auf russisch macht.
Wladimir hat vier Jahre,
von 1984 bis 1989,
in Deutschland gearbeitet:
Die Zeit seiner Träume,
wie er es nennt.
Dann kam die Perestroika,
neue Arbeit in Russland
unter Gorbatschow,
und die Unabhängigkeit,
deren Engel doch zu sehr
dem weißen Tigerbaby gleicht.
Heute will er Schengen,
der fünfzigjährige Papa
einer siebenjährigen Tochter.
Er gibt mir alle Nummern,
seiner Frau, seiner Tochter,
seine Emailadresse mit der Endung .ru.
Ich soll ihn besuchen,
da auf der Krim,
dort wo noch immer
viele Russlanddeutsche wohnen.
Wer einmal dort lebt,
sagt Wladimir,
will dort nicht mehr weg.
Außer es führt ein Schiff,
mit dem Namen Europa
in eine unverhoffte Freiheit,
namens Schengen.