"Banditen" im Nordkaukasus rufen die Kavallerie
“Бандиты хотят показать федеральным властям, что они существуют, что их надо бояться!”, schreibt die Argumenti i Fakti heute, einen Tag nach den Bombenanschlägen in der Moskauer Metro. Übersetzt heißt das, dass da “Banditen” sind, da im Nordkaukasus, die der Macht Russlands zeigen wollen, dass sie existieren, dass man vor ihnen Angst haben solle.
“Banditen”, das ist ein seltsames Wort für die Menschen im Nordkaukasus. Als hätte ich mich in ein kleines Dorf im wilden Westen, nein Osten, verirrt, in dem immer dann die Kavellerie eintrifft, wenn “Banditen” ihr unheilsames Unwesen treiben. Und tatsächlich vermittelt dieses Wort eben diese Atmosphäre: Vor unserer, der russischen Haustür, gar nicht so weit (nur mehrere tausend Kilometer), da gibt es gefährliche “Banditen“, die sich gerade einen üblen Scherz erlaubt haben.
Russland antwortet, in dem es die internationale Kavallerie ruft: Medvedev ruft den ”Krieg gegen den Terror“ aus und erhält sogleich die Antwort Amerikas. Endlich spricht man mal die gleiche Sprache, wo doch ”Banditen“ in einem wilden Westen bisher immer zu spielerisch klang.
Jetzt kann sie zusammen spielen, die Kavallerie. Sie hat sich gefunden, gegen einen gemeinsamen Feind, gegen ein unheilsames Chaos, das die Welt umspannt. Die ”schwarzen Witwen“, die sich da gestern in die Luft sprengten, müssen ein anderes Chaos gekannt haben, als Russland einen unheilsamen, aber hochorganisierten Krieg, gegen ihre Männer führte.
Kein Chaos ist gegen ein anderes Chaos abzuwägen, aber keine Sicherheit kann sich allzu sicher sein. Die Kavallerie hat sich versammelt: Um dem Chaos einen Namen zu geben und um weiteres Chaos zu stiften.