Erste Nachrichten
Es funktionierte alles problemlos. Unser Flieger kam unter heftigen Windbedingungen und mit einigen aufregenden Schwankungen in Riga an. Ein kurzer Bummel durch die Stadt, erste Worte Russisch (29 % von Lettland sind eine russische Minderheit, beinahe das ganze Land soll russisch sprechen). Ich versuche mich in Russisch-lättisch: "Dva Kafirii". Die Antwort ist russisch, Lättisch geht anders.
Per Bus zum Zentrum, der Bahnhof schnell gefunden. Die Entscheidung per Bus nach Moskau zu fahren schnell getroffen (war billiger), noch zwei Stunden Zeit. Gepäck ins Schließfach mit Rezeption und dann noch mal ab in die Stadt. Kurzer Rundgang, Supermarkt und dann:
16 Stunden Busfahrt...
In Lättland läuft alles glatt, an der Grenze dann erster Kontakt mit dem russischen Staat. Der ganze Bus muss aussteigen, das Gepäck muss raus. Dann stehen wir vor zwei Boxen an denen unsere Pässe kontrolliert werden. Dahinter sieht man erst mal gar nichts. Vorbei an dieser Kontrolle soll das Gepäck durchleuchtet werden. Wir gehören zu den letzten aus dem Bus, ich bin der erste von uns dreien. Ich schaue den langgeweilt dreinschauenden Mann hinter dem Röntgenapparat ungläubig fragend an und zeige auf den Apparat ohne die Worte: "Das Gepäck jetzt da durch?" Es funktioniert. Ich werde durchgewunken, muss meinenRucksack nicht abschnallen. Ungläubig blicke ich mich danach doch noch öfters um, ob der Mann das wirklich ernst meinte. Aus den finsteren Gesichtern der sonst noch um mich stehenden Grenzbeamten: Nichts zu lesen.
Die Fahrt geht weiter, die sehr nette Stewardess (auch in russisch) spricht deutsch mit uns und übersetzt die ein oder andere Ansage auf Deutsch. Einmal helfe ich ihr beim Festkleben einer Lampe. Die Menschen um uns herum arbeiten an irgendwelchen Papieren, telefonieren oder schlafen. Die ganze Prozedur scheint normal zu sein. Wir nähern uns der Nacht. Die Straßen in Russland haben einen Schlaglochteppich der seinesgleichen sucht. Im Traum setzt mich dieser Teppich selbst ans Steuer eines Busses und ich fliege irgendwohin.
Morgens um acht tauchen die ersten Blöcke Moskaus auf. Was folgt ist nichts anderes. 15- oder mehrstöckige Hochhäuser im einheitlichen Stil. Die Stalinbauten erkennbar an den nicht vorhandenen Verzierungen, dem geradlinigen, schnell hochgezogenen Baustil. Später sehen wir einige neuere Bauten, nicht niedriger, wohl aber mit Gauben oder sonnenförmigen Verzierungen oben an den Häusern.
Kurz halten wir noch einmal an. Ein Transportkontrolleur mit einer Sonnenbrille am frühen Wintermorgen schaut wichtig drein, tut aber sonst nichts: Keine Kontrolle am Straßenrand einer 5- oder mehrspurigen Straße. Die Lüftung lasse ich ab jetzt lieber zu, die vielen Autos produzieren Kopfschmerzen und Kurzatmigkeit, wie ich später noch feststellen soll.
Plötzlich stehen wir an einer Kreuzung, orientierungslos und ohne einen Rubel...
Fortsetzung folgt...