Frohe Ostern
Liebe Leute, frohe Ostern. Hier feiert man noch nicht, erst zwei Wochen später (julianischer Kalender). Ich habe mir gerade Kleieflocken aus der Apotheke gekauft. Es war sehr lustig, weil ich von der Apothekerin wissen wollte, ob man das so essen kann wie Muesli. Sie war hundertprozent überzeugt, dass nicht. Allerdings habe ich nicht verstanden wie. Ich habe sie erstmal zum Probieren gekauft. Das Muesli ist in unserem Supermarkt schon seit 1,5 Wochen ausverkauft. Die letzten zwei Packungen waren unsere. Als ich gerade mit meinen neuen Flocken durch das Wohnheim lief habe mich ein paar JUngs sehr freundlcih gegrüßt. ICh glaube sie fanden die Flocken lustig. Jetzt sitze ich gerade mit meinem Wörterbuch und versuche heraus zu finden, was das jetzt genau ist: Weizenkleie mit Calcium gegen Durchfall. Erwachsene sollen 60 g ZU den Mahlzeiten essen. Das versteht man hier unter Diat.
Sich gesund zu ernähren scheint in Russland erstmal schwierig, aber man muss nur ein Vorstellung davon bekommen, was gesund ist, dann geht das glaube ich ganz gut. Wir haben auch glück im Moment, denn hier ist Fastenzeit und viele Leute essen in dieser Zeit kein Fleisch. In der Uni gibt es gute Buchweizenbeilagen und Reisgerichte. Sonst gibt es aber schon mehr Fleisch, glaube ich.
Nach dem Apothekenvorfall, gehen wir noch ins Kafe um ein stück Kuchen zu essen. Ein lustiges Missverständnis passiert. Wir sehen Teigtaschen.Mit Kiwi, wie uns die Verkäuferin erzählt,die uns schon kennt. WIr sind begeistert, Sara sagt: Adin, Tobi dva, ich tri. Resultat. Sara war mit einer Tasche gut bedient, TObi war shon recht voll mit zweien und ich zwang tobi noch ein stück von meinen Drei zu essen. Versuche nie, auf einer Sprache, die du nicht beherrschst, all zu lustig zu sein :-).
Heute mittag hatte ich den TErmin mit dem Dekan von der historischen Fakultät. Das war sehr ergiebig. Wir haben fast nur russisch gesprochen und ich habe herausfinden können, dass man in Belgorod entweder Ethnologia Mira, also die Ethnologie der Weltregionen, oder Ethnopsichologia, also allgemeinere ethnologische Theorien studieren kann. Der Dekan holte dann noch eine Professorin dazu, die für mich jetzt bis Montag Texte russischer Theoretiker zusammenstellt. Alles auf russisch, aber was mich interessiert ist, ob die Namen sich teilweise denken, oder ob hier etwas ganz anderes gelehrt wird. Außerdem sehe ich mal, wie so russische wissenschaftliche Texte aussehen. Die Professorin hat mir auch Texte zur Ethnologie Russland angeboten. Ich habe erst mal gesagt, dass ich mehr an den Theorien interessiert bin. Aber eigentlich wäre das auch spannend. Auch zum Russisch-Lernen.
Am Ende des Geprächs fragte mich die Professorin noch, ob ich für das Lesen der Texte Kreditpunkte haben wolle. DAs habe ich sprachlich erst nicht verstanden, aber ich glaube sie und der Dekan waren erstaunt, als ich sagte: "Net, tolka dlja menja!"
Die Tickets für die Rückfahrt über Moskau sind heute auch gekauft. Snatschet (Bedeutet), dass wir am 2. April abends hier losfahren werden, am 3. morgens in Moskau ankommen. Um 17.30 geht unser Gabelflug über Bratislava nach Hannover. Dort kommen wir gegen 22.30 eurer Zeit an. Dann komme ich nachts noch nach Bremen. WEnn nicht, werde ich mein Bruderherz anrufen, ob wir eine Nacht bei ihm bleiben können. Ginge das, Jan? (Wir sind auch nur zwei). Eigentlich müssten wir das aber ohne Probleme noch nachts nach bremen schaffen. Ab dem 4. April bin ich also wieder in Bremen!
Unser Wochenendplan sieht ganz gut aus. Morgen tagsüber in die russische Banja, abends in einen neuen Irish Pub mit Marthe, Vitali, Dina (die studentin, die mich heute zur Uni eskortiert hat) und einigen leuten aus meiner Gruppe. Am Sonntag fahren wir zu einem unterirdischen Kloster. Zitat von Andrej, der Beauftragte, der heute extra seine Kravatte mit den Bremer Stadtmusikanten für uns angezogen hatte: "Da gab es richtige Heldentaten! Es hat sich sogar mal ein Mönch eingemauert." Es wird bestimmt sehr interessant.
Heute morgen sind wir nicht zum Kurs gegangen. Literatur ist mir noch zu schwer, ich habe letztes mal nicht viel mitbekommen. Um zehn fand der Kurs statt, um 12 wurden wir plötzlich von Ljudmilla in die Uni bestellt. Warum wir nicht dagewesen seien? Die Kontrollmechanismen funktionieren, aber laut Marthe muss man die nicht unbedingt nur als Kontrollmechnismen sehen. Eher als mütterliche Sorge, was auch klar ist. Denn normalerweise studiert man in Russland halt schon mit 17/18.
Ich wünsche ich frohe Ostern und schreibe bestimmt bald mal wieder.