Mein Tag

Eine Kurzmeldung, die doch nicht so kurz wurde...

Immer noch schwer unter Arbeitsdruck schaffe ich es mal kurz zu schreiben. Der Tag heute: Von 10 bis 12 Goethe und Heine (Geine) auf Russisch lesen. Die Lehrerin ist erstaunt, dass niemand von uns die Gedichte auswendig kann. Sie war einmal Lehrerin in Deutschland, aber kann die Intonation nicht mehr richtig: "Oben auf kahler Höh..." Ich musste ja glücklicherweise nie Gedichte auswendig lernen. Heine und Goethe sind auf russisch (übersetzt von Lemontovo) nur sehr wenig zu verstehen. Beinahe setze ich mich in die Nesseln als ich anmerken will, dass Palme (russisch Palma) im Deutschen nur für Bäume in den Tropen verwendet war. Das war wohl auch im Russischen klar, wie mich meine Mitlerner glücklicherweise aufklärten. Auch Heine wusste es, nur ich eben Heine nicht. Die mitlernenden Chinesinnen lachen viel und interessieren sich was für ein Geschlecht der Mond (russisch luna) im Deutschen hat. Ein kurzer Ausschnitt aus einer fordernden Unterrichtsstunde (urok).
2 Std Pause in denen wir kurz in die Mensa (bufet) gehen. Wie immer aufregend, sehr günstig aber auch verführerisch, denn man stellt sich wirklich sein Essen vom Buffet selbst zusammen. Es gibt Borsch, Kascha und Salat. EIn einfaches Essen.
In den Cafes in der Uni gibt es unglaublich guten Kuchen. Zum Nachtisch also ca. 120 g (nach Gewicht gekauft) fülliger, süßer Kuchen und ein übersüßer Instant-Kaffee mit Wasser aus dem Samowar. Kaffeemaschinen habe ich noch nirgendwo gesehen. Ich weiß nur von einem Cafe in der Stadt, wo es eine französische Kaffeemaschine mit Bohnenkaffee geben soll.
14 Uhr - Es geht weiter mit Grammatika. Ljudmilla ist unsere Hauptlehrerin. Bestimmte und Unbestimmte Formen - eine nicht einfache Sache. Ich habe sie noch immer nicht verstanden. Nichtsdestotrotz kann ich so langsam mitreden. Die ersten Wörter zum verständigen sind da. Bei unserer anderen Lehrerin Sveta diskutieren wir in Sprachpraxis sogar darüber, wie unsere Traumfrau aussieht, ob für uns Schönheit oder Charakter wichtiger ist und ob wir später mal heiraten möchten. Sveta ist noch recht jung und scheint wirkliches Interesse daran zu haben, was wir so denken. Die Stunden machen immer wehr viel Spaß, wir lernen eine Menge Sprichwörter, Begriffe und Vergleiche. Wenn ich mir die mir nur mal alle merken könnte.
Die Uni ist eigentlich wie Schule hier. Jede Stunde klingelt eine Elektroglocke in einer unmöglich langen aber sehr kreativen Melodie. Dann sind fünf Minuten Pause und es geht weiter. Vorgestern hatten wir von 10 bis 16 Uhr durchgehend Unterricht. Da war es unmöglich zwischendurch zu essen. Danach konnte ich erst mal nichts mehr sagen. Totale Verwirrung!
Morgen wird wieder so ein intensiver Tag. Von 10 bis 15.30 Uhr Uroki, dann eine Exkursion in die Stadt. Essen müssen wir uns mitnehmen. Zusätzlich zu dieser intensiven Planung sollte man die Hausaufgaben nicht vergessen. Jeden Tag noch 2-3 Stunden Übungen und eigene Texte.
Gestern habe ich mal ein bißchen weniger gemacht. Wir haben uns mit Dima und seiner Frau getroffen. Ein total süßes Paar, er 23 sie weiß ich nicht. Seit einem halben Jahr verheiratet und sichtlich verliebt. Irena spricht nur russisch, das war für mich eine Super-Übung und ich konnte mich wirklich gut mit ihr verständigen. Und von ihr und Dima kamen auch mal erste Komplimente zu meiner Sprachkenntnis. Wir ziehen durch die Straßen, klingeln an irgendeinem Haus und sagen: Potscha! Wir finden uns wieder auf einem Dach mit Blick über die ganze Stadt! Jetzt erst sehe ich wie groß Belgorod eigentlich ist. Wir trinken Bier und freuen uns.
Heute kam der Chef vom INternational Office vorbei. Das erste Mal komme ich auf die Idee meinen MAster hier zu studieren. Die Möglichkeit gibt es, die Uni hat über 40.000 Studenten. ICh muss mkich nur bis Juni enscheiden. Mal schauen! Man ist hier auf jeden Fall unglaublich interessiert an deutschen Studenten. Ein Wohnheimsplatz wäre sicher und damit ginge das finanziell auch. Die Supermärkte sind hier, wenn man nach westlichen Produkten schaut teurer als in Deutschland. Aber wenn man seine Gewohnheiten umstellt, kann man hier gut leben.
Es gefällt mir auf jeden Fall immer besser hier und ich freue mich euch noch mehr zu erzählen. Am Sonntag wollen wir mit Dima ins Russische Banja (Sauna). Das wird bestimmt spannend. Auf bald...