Назад в Бремене...

So ergab es sich, dass ich doch noch einmal zurückkehre in das immer noch graue Bremen. Die Rückfahrt war nicht gerade bequem. Wir waren insgesamt 30 Stunden unterwegs. Zunächst 10 Stunden Nachtzug von Belgorod nach Moskau. Dieses Mal waren sehr viele alte Leute im Zug, die mich bloß mit bösen Blicken belohnten und nicht wollten, dass ich auf ihrer Matratze sitze. Wir gehen recht früh schlafen. Um 7 Uhr ist der ganze Zug schon wach. Nur eine Gruppe von Leuten hatte die ganze Nacht durchgespielt. Es ist warm in diesem Zug, 23 Grad, wie die rot leuchtende Anzeige sagt. Ich warte noch ein bißchen mit dem Aufstehen, die Klamotten kleben zwar durhc die Wärme der Wolldecken, die ich die ganze Nacht nicht los werden konnte. Aber man kann nirgendwo sitzen in den Zügen, wenn alle liegen. Irgendwann stehe ich doch auf, der erste Sitz ist frei. Ich setze mich zu den anderen, es gibt Tee und ich esse eine von meinen Käsetaschen, auf denen ich die ganze Nacht gelegen habe. Um 9 Uhr kommen wir in Moskau an. Eine Schulklasse beäugt uns misstrauisch. Es ist voller Menschen. Wir schlagen uns noch einen halben Tag durch die Stadt. Diesmal erscheint mir alles sehr viel freundlicher, selbst die Waffen, die es in den Unterführungen zu kaufen gibt, sind zum Lächeln gut. Irgendwie ein komischer Ort dafür. Den ganzen Tag verbringen Menschen dort ihren Alltag und wie selbstverständlich scheinen die Waffen neben die Matrioschkas und die Unterwäsche zu gehören. Aus einem Musik- und DVD-Laden höre ich schöne Musik. Ich frage den Verkäufer in Anzug und Schlips: Что ета музика? Er zeigt mir eine CD mit sowjetischen Soldatanliedern. Trotz Titeln wie "Солдат всегда солдат" (Soldat immer Soldat) kaufe ich die CD. Ich weiß bis heute nicht warum, aber die Musik war wirklich schön.
Direkt gegenüber die Ljubljanka, der Ort wo Stalin Dissidenten foltern und einsperren ließ. Ich denke an Sergej und seine Worte, Stalin wäre von seinen Nachfolgern nur verteufelt worden. Und ich kaufe sowjetische Märsche... seltsame Verwirrungen.
Um 14 Uhr fahren wir mit dem Metrozug zum Flughafen Domododevo. Ein unaussprechlicher Name, zwei hübsche Kassiererinnen lachtan als ich fragte wo man die Tickets für den Zug kaufen könne. Aber es war ein freundliches Lachen, heute scheint die Sonne.
Im Zug rätseln Sara und ich noch, ob wir wirklich vom gleichen Flughafen fliegen, wie die anderen. Chaotischer geht es nicht, aber am Ende stellt sich Domododevo als der Richtige heraus. Drei Mal werden unsere Tickets kontrolliert. Hilmar vergisst seines und macht einen Aufstand als zwei Militzia 35 Rubel von ihm verlangen. Er kann entkommen...
Die anderen sind schon früher geflogen. Wir verabschieden uns, Sara und ich setzen uns in ein Cafe im Flughafen. Überall laufen Männer in Anzügen herum - Бизнис-Männer. Viele Deutsche sind auch um uns herum. Ich freue mich, wenn ich noch mal russisch höre.
Wir setzen uns an einen Tisch, an dem schon ein sehr hübsches Mädchen sitzt. Obwohl ich sehr müde und desinteressiert scheinen muss, spricht sie mich an. Sie kam aus Moskau, studierte internationale Beziehungen mit Schwerpunkt Vietnam. Ihren Freund aus München hat sie in Vietnam kennengelernt und war jetzt gerade mit ihm auf dem Weg nach London. Eine verrückte Welt!
Irgendwann checken wir dann ein, unser Flieger geht um 17.35 Uhr. Ich möchte meinen neuen Pass mit dem schnellen Elektro-Chip an einem Extra-Schalter ausprobieren. Doch da dauert es so lange, dass ich doch wieder zum anderen wechsele.
Wir haben einen prima Fensterplatz und ich schaue noch lange auf die seltsame, sumpfig-braune Landschaft mit den unbeblätterten Bäumen herab. Irgendwann landen wir in Wien. Ein österreichischer Polizist empfängt uns mit der Ansage, die Empfangshalle sei gesperrt. Es hatte mal wieder jemand seinen Koffer stehen lassen um kurz eine rauchen zu gehen. Zweieinhalb Stunden Aufenthalt am Wiener Flughafen treiben uns fast zum Wahnsinn. Wir diskutieren über saubere und schmutzige Autos und deren Bedeutung in Moskau, essen übergroße Donuts und bei MacDonalds. In Moskau habe ich übrigens den ersten, im Januar 1990 eröffneten МакДоналдс in Moskau gesehen, inklusive der Bilder mit den unglaublichen Schlangen davor. Man hatte damals lediglich mit einem Poster mit einem BigMac und einem Datum der Eröffnung geworben. Es wäre interessant, heraus zu finden, wie damals über MacDonalds in Russland gesprochen wurde.
Um 20.40 Uhr (jetzt schon wieder GMT) wollen wir einchecken zu unserem nächsten Flieger nach Hannover. Eine Verspätung lässt rasche Handlungen walten, wegen denen ich hier jetzt noch komplett ohne Gepäck und Mitbringsel für euch sitze. Aufgescheucht von der Tatsache, dass wir durch die Verspätung erst um 1 Uhr in Hannover angekommen und unseren Zug nach Bremen verpasst hätten, rennen wir zum Service Point von Air Berlin. Es war 21.05 Uhr - gewünschte Umbuchung auf den Flieger mit Abflug um 21.25. Geht das noch? Es geht. Doch unser Gepäck. Wir fordern, fordern, fordern, bei drei verschiedenen Ansprechpersonen. Nach 2 Zusagen und einer Unsicherheit rennen wir los durch die Kontrollen und mit offenem Gürtel bis zu den Stewardessen. Beinahe wäre ich nach Bologna geflogen, die Stewardess hatte so nett gelächelt. Sara diskutiert noch mit der richtigen, wir kriegen vom Computer ein Signal, dass unser Gepäck drin wäre. Ich hab der Kiste schon damals nicht getraut.
Wir sitzen im Flieger in der zweiten Reihe, seltsame Bewegungen macht ein Flieger hier. Wien bei Nacht. Schnell kennt man unsere Geschichte nach einem kurzen Gespräch im Flugzeugshuttle. Um 22.45 die Landung, ist unser Gepäck wirklich da? Natürlich nicht, und wir stehen wieder an einem Schalter und sollen es nun in den nächsten Tagen per DHL-Express nach Hause geliefert bekommen. Ich bin gespannt.
Zweites Problem: Der letzte Zug Hamburg - Bremen fährt um 23.16 Uhr, dementsprechend verpasst haben wir ihn. Sara telefoniert mit ihrem Freund Hannes, wir werden abgeholt aus Harburg. So standen wir dann um 1 Uhr nachts am Bahnhof in Harburg, den ich sehr gut kenne doch nie liebte, und in diesem Moment hatten wir Mal richtig Lust eine Runde Белгород Герб, den Wodka aus Belgorod, zu trinken.